Kaffeepreis-Rechenbeispiel

An dieser Stelle möchte ich Euch gern meine Kaffeepreiskalkulation offenlegen. Viele vermeintliche Kaffeeliebhaber oder Koffeinjunkies wissen kaum etwas über die Kosten, die bei der Herstellung von Röstkaffee anfallen. Bei dieser Gelegenheit bietet es sich auch an, hinter die Superduperangebote der Discounter, Vollsortimenter und Großmärkte zu blicken. Erst kürzlich habe ich das Angebot eines beliebten Vollsortimenters gesehen: 500g gemahlener Kaffee einer großen bekannten Kaffeerösterei für unglaubliche 2,99 €. Das ist ein wahnsinnig niedriger Preis von 5,98 € pro Kilo Kaffee!

Kaffee als Spekulationsware

Der Kaffeepreis der letzten zweieinhalb Jahre hat eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich. Anfang des Jahres 2016 war der Kaffeepreis auf dem gleichen Stand wie 2 Jahre zuvor. Zwischenzeitlich gab es eine Verdoppelung. Wie soll der Kaffeebauer planen, wie sich sein Einkommen nach der Ernte gestalten wird? Lohnt sich eine Investition in Qualitätsverbesserung, wenn am Jahresende doch nichts übrig bleibt? Der derzeitige Weltmarktpreis für 1 Kilo Kaffee liegt an der Rohstoffbörse bei 2,84 €. Der Fairtrade-Mindest-Preis liegt seit April 2011 bei 3,08 $ (2,78 €) plus 0,44 $ (0,40 €) für Entwicklungs- und Gemeinschaftsausgaben plus 0,66 $ (0,60 €) bei einer vorhandenen Bio-Zertifizierung. Bei einem höheren Weltmarktpreis stiegt der Fairtrade-Mindest-Preis mit an, fällt aber nie darunter.

Kaffeepreis der letzten 2 Jahre
Chart von www.finanzen.net

Transport von der Farm in den Zielhafen

Der Importeur hat vielfältige Aufgaben. Neben der Suche nach der besten Bohne in den unterschiedlichsten Ländern möchte er auch sicher gehen, dass die Bohnen gesund und unbeschädigt bei ihm ankommen. Kosten entstehen dabei durch den Transport zum Schiff, Einlagerung in den Container, Erstellung der Hafendokumente, Kaiumschlag, Schiffsfrachtkosten, Paletten, eventuelle Reinigung der Rohkaffeebohnen, Einlagerung am Zielhafen und die Verzollung. Um die Qualität vom Ursprung bis ins Zielland zu gewährleisten, werden bei wichtigen Umschlagspunkten mehrere Proben genommen. Diese werden im Ursprungsland eingelagert und bei Auffälligkeiten nach Ankunft im Zielland vom Importeur angefordert und verglichen. Proben müssen geröstet, verkostet und beurteilt werden.

Kosten die dem Importeur anfallen können:

  • Verpackung und Lagermiete im Ursprungsland (~0,13 €)

  • LKW Transport zum Hafen (~0,07 €)

  • Erstellung Exportdokumente und Gebühren (~0,11 €)

  • Personal und Abwicklungsauslagen ÖkoOrganisation (~0,24 €)

  • Prämie für Kaffee-Kleinbauern (~0,50 €)

  • Seefracht  Ursprungsland -> Hamburg (~0,10 €)

  • Transportversicherung

  • Kosten des Geldverkehrs/Kursverluste

  • Personal, Kommunikation u. allg. Importkosten

  • Schwund Rohware während des Seetransports 1%
  • Einlagern, wiegen, Musterentnahme, Lagermiete, Auslagern

  • evtl. erneute Reinigung des  Kaffees im Zielhafen (~0,22 €)
  • Palettisieren im Zielhafen

  • Rohwarengewichtsverlust von 1% während der Lagerung

Kosten bei der Kaffeeröstung

Ich kaufe meinen Kaffee in Hamburg beim Importeur für 4,56 € pro Kilo ein (alle Preise netto). Die Lieferung einer Palette mit 636 Kilo Rohkaffee von Hamburg zu mir kostet 73,68 €. Der Gewichtsverlust (Einbrand) entsteht beim Rösten der Kaffeebohnen und liegt bei mir um die 15-16%, bei stärker geröstetem Bohnenkaffee um die 20 %. Die Kaffeesteuer liegt fix bei 2,19 € pro geröstetem Kilo Kaffee. Der Wiederverkäufer würde gern 30% Marge aufschlagen und muss letztendlich die MwSt vom Endkunde einziehen, die zum Glück bei 7% liegt. Für Kaffee gilt nämlich der ermäßigte Steuersatz, da es als Grundnahrungsmittel deklariert ist. Wenn ich nun von 5,98 € die Steuern abziehen und bei den wichtigsten Kosten nur 1/9 meiner Kosten ansetzte, komme ich auf einen Einkaufspreis von 0,10 € pro Kilo Rohkaffee. Wo liegt der Fehler bei der Kostenberechnung für den Kaffee im Supermarkt?